Österreich

Buchrezension: "Lauda Air NG 004: Der letzte Flug der Mozart, Österreichs größte Luftfahrtkatastrophe"

Das Buch Lauda Air NG 004: Der letzte Flug der Mozart, Österreichs größte Luftfahrtkatastrophe von Patrick Huber gibt es als Hardcover und als Softcover. Ich habe mir die Hardcover-Variante gegönnt.

Der Absturz der Lauda Air vom 26. Mai 1991 ist gleichermaßen Unglück und Skandal. Das hat das im Jänner publizierte investigative Buch von Patrick Huber über den Absturz bewiesen. Christian Becker hat es gelesen und rezensiert es für Austrian Wings. In KURSIV gehaltene Textstellen stammen nicht von Christian Becker, sondern aus redaktioneller Bearbeitung/Ergänzung.

Informationen zum Buch (ergänzt durch die Redaktion)
•    A5
•    456 Seiten    
•    Rund 150 ‒ zum Teil exklusive ‒ Abbildungen, mehr als 50 Seiten im Farbdruck
•    ISBN Softcover: 978-3-565290-54-3

•    ISBN Hardcover: 978-3-565290-34-5

Erhältlich ist das neue Buch von Patrick Huber, „Lauda Air NG 004: Der letzte Flug der ,Mozart’ ‒ Österreichs größte Luftfahrtkatastrophe“, als Soft- und Hardcover über den Webshop des Verlages „Epubli“. Außerdem kann es unter Angabe der ISBN (siehe oben) grundsätzlich über alle Buchhandlungen in Österreich und Deutschland sowie Onlinebuchhändler bezogen werden, beispielsweise über Thalia.atManz (Softcover & Hardcover) oder über den Falter-Onlineshop (Hardcover & Softcover verfügbar), etc ... Der Autor stellt auf seiner Homepage kostenlose Leseproben aus dem Buch als PDF zur Verfügung.

Die Mozart ist abgestürzt, weil die Schubumkehr von Haus aus einen Konstruktionsfehler hatte. Boeing wollte das vertuschen und Niki Lauda persönlich hat Boeing unter Druck gesetzt, um die Wahrheit ans Licht zu bringen. Das war über viele Jahre mein persönlicher Informationsstand über den Absturz der Lauda Air im Jahr 1991. Dass das nicht die ganze Wahrheit sein kann, war mir schon vor einigen Jahren klar, als ich die Reportage über das Unglück hier auf Austrian Wings gelesen habe. Wie dann das Buch von Patrick Huber über den Absturz auf den Markt kam habe ich zugeschlagen. Was er recherchiert und durch die ganzen im Buch veröffentlichten Faksimilen offizieller Dokumente auch belegt hat, schlägt dem Fass den Boden aus. Einfühlsam und bewegend holt Huber in seinem Buch menschliche Schicksale hervor, gibt den Opfern durch ihre Nachfahren, Kollegen und Freunde eine Stimme und ein Gesicht. Gleichzeitig hat er den Absturz selbst sekundengenau rekonstruiert.

Der Autor widmet sich in eigenen Kapiteln der offiziellen Unfalluntersuchung und der eigenen Untersuchung, die die Republik Österreich durch ihre Staatsanwaltschaft in Wien durchgeführt hat. Im Unfallbericht der Thailänder steht, dass die Schubumkehr zum Absturz geführt hat. Die Thailänder konnten aber nicht herausfinden, warum sie aufgegangen ist. Der österreichische Experte aus dessen Gutachten Huber zitiert und viele Scans abgebildet hat um die Aussagen zu beweisen konnte das schon. Es waren beschädigte Kabel, die die Ingenieure der Lauda Air nicht entdeckt hatten, weil sie so unter Druck standen, dass sie keine Zeit hatten, diesen Bereich des Flugzeuges an dem man nur schwer herankam zu untersuchen. Diese vielen Scans machen das Buch leider ziemlich teuer, aber es ist jeden Cent wert. Weil Patrick Huber hat extrem viele Details recherchiert, man erfährt alle Namen von Besatzung und Passagieren (hab' ich nirgendwo im Internet gefunden) und sogar die Namen der Crews der anderen Flüge kurz vor dem Absturz. Auch über die Geschichte von Lauda Air und Boeing 767 kann man viel Neues erfahren.

Das umfangreiche Inhaltsverzeichnis. Laut seinen Angaben hat Patrick Huber circa 15 Jahre an dem Buch gearbeitet.
Die vielen Details haben mich echt beeindruckt.

So bleibt am Ende die Erkenntnis, dass der Konstruktionsfehler den Niki Lauda immer so hervorhob tatsächlich existierte. Dass die Schubumkehr aber beim letzten Flug der 767 von Lauda Air aufging, das lag mit hoher Wahrscheinlichkeit an den Schlampereien bei Lauda Air und hier muss man die Frage stellen wieso die österreichischen Behörden nichts gegen die Sauereien bei Lauda Air unternommen haben. Haben sie vorsätzlich weggeschaut oder waren sie unfähig? Auch auf diese Punkte geht der Autor ein.

Für eine Thailänderin war eine Geburtstagstorte in Rosa an Bord. Da muss man schlucken und mit den Tränen kämpfen.
Penibel hat der Autor die vielen Fehler und Schlampereien durch die Lauda Air Ingeieure dokumentiert. Ich finde es gut, dass er es schreibt und durch die Scans der offiziellen Unterlagen beweist dass es stimmt.

Für mich persönlich sind die vielen Interviews mit den Angehörigen der Opfer am bewegendsten. Das Buch ist 150-prozentig zu empfehlen und es macht mich wütend wenn ich sehe wie bei Lauda Air geschlampt wurde und diese Schlampereien mit dem großen Namen der Fluggesellschaft vor der Öffentlichkeit „versteckt“ und „überstrahlt“ wurden. Dass die Behörden niemals eingriffen ist genau so eine Sauerei wie das Urteil im Fall der Seilbahn-Tragödie von Kaprun nur wenige Jahre danach. Enttäuscht bin ich auch von Niki Lauda.

Er war der Held meiner Kindheit, der Renn-Weltmeister, der Überflieger. Mittlerweile habe ich für ihn und seinen öffentlichkeitswirksam zur Schau gestellten Geiz nur noch Verachtung über, weil ich weiß, welche Auswirkungen dieser Geiz auf die Wartung bei Lauda Air hatte.

Text: Christian Becker

Anmerkung: Die im Text enthaltenen Hyperlinks wurden von der Redaktion eingefügt.