Reportagen, Videobeiträge

Große Austrian Wings Videoreportage: Zu Besuch in der Kaderschmiede der Flugpolizei

Fluglehrer und Schüler im Cockpit des Bell 206 Jet Ranger, OE-BXT - Fotos: Austrian Wings Media Crew

Tagtäglich für unsere Sicherheit im Einsatz sind die Besatzungen der Flugpolizei des Bundesministeriums für Inneres. Das Gros der Einsätze bleibt dabei von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, denn nur selten geht es dabei so spektakulär zu wie beim Waldbrandeinsatz in Hirschwang der Rax Ende Oktober. Austrian Wings besuchte die Kaderschmiede für angehende Einsatzpiloten am Flugplatz Bad Vöslau, wo derzeit wieder vier Polizisten (eine Dame und drei Herren) zu neuen Hubschrauberführern ausgebildet werden.

Unsere Sicherheit ist ihr Job - ob bei der Verkehrsüberwachung, dem radikal-islamischen Terroranschlag in Wien, bei der Jagd nach flüchtigen Kriminellen, der Suche nach vermissten Personen (etwa Demenzkranke) oder bei Waldbränden, wie kürzlich im niederösterreichische Raxgebiet: Die Flugpolizei ist stets zur Stelle, wenn sie gebraucht wird und steht, anders als die Flugrettung, eher selten im Fokus medialer Berichterstattung. Dabei leisten ihre Besatzungen oft Außergewöhnliches zum Schutz der Bevölkerung.

Austrian Wings schaute den angehenden Einsatzpiloten der Flugpolizei bei der theoretischen und praktischen Ausbildung über die Schulter - Video: Austrian Wings Media Crew (die Aufnahmen sind urheberrechtlich geschützt und dürfen ohne schriftliche Genehmigung nicht verwendet werden)

Bis es aber soweit ist, dass ein Polizist oder eine Polizistin als Pilot oder Pilotin eigenverantwortlich das gesamte Einsatzspektrum der Flugpolizei abdecken kann, ist es ein langer Weg. Um sich überhaupt bewerben zu können, benötigt man eine abgeschlossene polizeiliche Grundausbildung und mehrere Jahre Erfahrung als Polizist im Außendienst. "Nach erfolgter Bewerbung wird der Kandidat auf Herz und Nieren geprüft, im wahrsten Sinne des Wortes", erläutert Chef-Fluglehrer Patrick Fritz im Gespräch mit "Austrian Wings". "Das reicht von der Abfrage des Allgemeinwissens bis hin zu körperlichen und psychologischen Untersuchungen, die es wirklich in sich haben."

"Wir wollen keine Draufgänger im Cockpit. Der Idealkandidat verfügt über eine stabile, belastbare und ausgeglichene Persönlichkeit, kennt seine persönlichen Grenzen, geht keine unnötigen Risiken ein und ist dabei noch ausgesprochen teamfähig."
Flugpolizei-Chef Christian Stella gegenüber Austrian Wings

Ein angehender Polizeipilot präzisiert: "Vor allem der Psychologe seziert Dich regelrecht, da wird wirklich bis in Deine Kindheit zurückgegangen." Nur ein Bruchteil aller Anwärter besteht dieses strenge Auswahlverfahren. Doch wer es geschafft hat, auf den wartet eine anspruchsvolle Ausbildung.

"Wir beginnen mit der theoretischen Schulung in der Flugeinsatzstelle in der Meidlinger Kaserne. Dort lernen die Kolleginnen und Kollegen sowohl die fliegerische Theorie als auch die rechtliche, sprich beispielsweise Luftraumkunde oder das Funken", präzisiert Fritz. Da sich in der FEST Meidling auch der hauseigene Wartungsbetrieb befindet, gibt es für die angehenden Einsatzpiloten zudem die Möglichkeit, im Rahmen der Theorie immer wieder in die technische Praxis hineinzuschnuppern und den Technikern über die Schulter zu schauen. Bereits in rund einem Jahr soll die Zentrale der Flugpolizei dann vom dicht verbauten Stadtgebiet in Wien-Meidling in die Kaserne der Eliteeinheit Cobra in Wiener Neustadt übersiedeln. Derzeit wird dort ein hochmoderner Stützpunkt erbaut.

Die theoretische Ausbildung findet in der Flugeinsatzstelle in Meidling sowie in den Räumlichkeiten der Flugpolizei am Flugplatz Bad Vöslau statt.
Patrick Fritz ist Chefausbilder der Flugpolizei, ein erfahrener Veteran, der im "zivilen" Leben als Pilot im A320-Cockpit saß und auch weiterhin im zivilen Bereich Flächenflugzeugpiloten ausbildet.

Die praktische Ausbildung der Anwärter findet auf dem Flugplatz Bad Vöslau in Niederösterreich statt. Dort verfügt die Flugpolizei über einen eigenen Hangar, der die Heimstatt ihres einzigen Bell 206B Jet Ranger III ist. Dieser einturbinige Klassiker der Luftfahrt mit dem Kennzeichen OE-BXT wird grundsätzlich für die Ausbildung genutzt, kann im Anlassfall aber auch reguläre Einsätze fliegen. So ist die "X-Ray Tango" im Gegensatz zu zivilen Varianten des Jet Ranger nämlich auf der hinteren rechten Kabinenseite mit einer Schiebetüre ausgestattet, die im Flug geöffnet werden kann, damit sich beispielsweise Cobra-Beamte abseilen können.

Cobra-Beamte seilen sich ab: Bis ein Polizeipilot derartige Einsätze fliegen darf, vergehen mehrere Jahre harter intensiver Ausbildung.

Ausbildung auf höchstem Niveau
"Unsere Aufgaben sind mitunter per se mit einem höheren Risiko als der rein zivile Flugbetrieb behaftet. Das liegt in der Natur der Sache. Gerade deshalb ist uns ein professioneller Flugbetrieb auf höchstem Niveau ausgesprochen wichtig. Safety first, dieses Prinzip vermitteln wir den angehenden Kolleginnen und Kollegen von der ersten Minute der Ausbildung an", bestätigt Fritz den Eindruck des Autors bei verschiedensten Lokalaugenscheinen bei der Flugpolizei.

So beginnt die praktische Ausbildung zunächst wie die jedes Hubschrauberprivatpiloten, allerdings ist auf PPL-H-Niveau nicht Schluss: "Die Basisausbildung schließt auf einem Niveau vergleichbar mit der Berufshubschrauberpilotenlizenz CPL-H ab", betont Fritz. Doch damit ist ein Polizeipilot noch lange nicht voll einsatzfähig.

"Die Polizeipiloten-Anwärter werden von Anfang an gefordert, fliegen so eigenverantwortlich wie möglich als Vorbereitung auf ihre spätere Aufgabe. Die Ausbilder greifen nur dann ein, wenn es absolut notwendig ist, oder wenn sie etwas demonstrieren möchten."
Chef-Fluglehrer Patrick Fritz gegenüber Austrian Wings

"Die polizeiinterne Ausbildung ist modular aufgebaut. Das heißt, dass ein angehender Pilot nach einer gewissen Zeit beispielsweise einmal Einsätze mit der FLIR-Maschine, Verkehrsüberwachungsflüge oder einfache Fahndungsflüge durchführen darf, aber noch keine Außenlastflüge", umreißt der erfahrene Instruktur das Konzept, das sich seit vielen Jahren bewährt hat. Ganz zu Beginn fliegt er zudem unter Supervision eines erfahrenen Kollegen.

Ein Team für alle Fälle: Pilot und Flight Operator
Die Standardbesatzung eines Polizeihubschraubers besteht aus einem Piloten und einem so genannten Flight Operator. Dabei handelt es sich ebenfalls um einen voll qualifizierten Exekutivbeamten, der den Piloten in operativen und fliegerischen Belangen unterstützt und darüber hinaus ein alpiner Bergespezialist ist. 

Der Flight Operator ist fester Bestandteil der Besatzung.

Alle Flight Operatoren sind Polizeibergführer. "Da gibt es auch keine Ausnahmen, denn somit kann jeder Flight Operator auf jedem Stützpunkt in ganz Österreich eingesetzt werden", erklärt Fritz den Hintergrund dieses Konzepts.

Austrian Wings begleitete auch angehende Flight Operatoren bei ihrer Ausbildung.

Je nach Einsatzart wird die Besatzung gegebenenfalls um einen FLIR-Operator zur Bedienung der Wärmebildkamera und/oder um einen zweiten Piloten ergänzt, etwa während auf nächtlichen Fahndungsflügen, denn das Konzept "Safety First" gehört regelrecht zur DNA des polizeilichen Flugbetriebes.

Von Anfang an wird den angehenden Einsatzpiloten größtmögliche Eigenverantwortung übertragen.
Auf Sicherheit wird bei der Flugpolizei größter Wert gelegt: Hier demonstriert der Ausbilder den angehenden Einsatzpiloten wie wichtig es ist, den Kontakt zwischen Rotorkopf und Rotormast zu vermeiden. Dazu kann es beispielsweise bei "Low-G"-Flugzuständen oder bei abrupten Steuerbewegungen des Knüppels (Stick) kommen. Dieser als Mast Bumping bekannte Zustand tritt nur bei gewissen Zweiblatt-Rotorsystemen auf, ist jedoch im Flugbetrieb fast immer tödlich, da der Rotormast brechen kann und sich dann unweigerlich der Hauptrotor löst.
Nach der Theorie und dem Vorflugcheck im Hangar geht's ins Freie ...
Zuverlässig, robust, ideal für die Anfängerschulung auf einem Turbinenhelikopter geeignet: Der Bell 206B Jet Ranger III des BMI

Stufenweise Qualifikation
Im Laufe der Jahre erwerben die Piloten schließlich weitere Berechtigungen, wie Außenlastflüge, Außenlastflüge mit Personen (Taubergungen oder das Einfliegen von Feuerlöschtrupps in unwegsames alpines Gelände) sowie das Absetzen von Cobra-Beamten mittels Seil. Fritz: "Derartige Einsätze sind nicht nur fliegerisch eine ganz besondere Herausforderung, sondern verlangen vom Piloten auch die perfekte Koordination mit seinem Team und höchstes Verantwortungsbewusstsein. Hier hat sich unser hartes Auswahlverfahren der Bewerber bestens bewährt, denn während der eigentlichen Ausbildung ist die Drop-Out-Rate sehr niedrig."

Vom ersten Ausbildungstag bis zu jenem Moment an dem ein Polizeipilot die uneingeschränkte Qualifikation Einsatzpilot erhält, vergehen rund dreieinhalb bis vier Jahre. Danach zählen die Helikopterpiloten der Flugpolizei allerdings (gemeinsam mit ihren Kameraden vom Bundesheer) zur Fliegerelite des Landes, die national und international hoch geschätzt sind. Etliche Polizeipiloten wechselten nach ihrem Dienst bei der Exekutive beispielsweise zur Flugrettung, wo sie nun auf andere Weise Menschen in Not Hilfe leisten - wie beispielsweise der ÖAMTC-Pilot Gerold Hofbauer, seines Zeichens Stützpunktleiter von Christophorus 9.

"Teamwork ist das A und O bei uns. Unsere Crews sind perfekt eingespielte Teams, wo sich, auch dank der professionellen Kommunikation und unserem hohen Ausbildungsstandard, jeder blind auf den anderen verlassen kann."
Ausbilder Patrick Fritz gegenüber Austrian Wings

Die Steuerung eines Helikopters reagiert wesentlicher sensibler als die eines Flächenflugzeuges, daher ist von den Piloten besondere Feinmotorik gefragt.
Fluglehrer Patrick Fritz im Cockpit des Bell 206 Jet Ranger der Flugpolizei.

Für Ausbildungsleiter Fritz ist seine Tätigkeit jedenfalls ein Traumberuf schlechthin: "Ich helfe Menschen in Not, kann dazu beitragen, andere Piloten auszubilden und lebe den Traum vom Fliegen. Das ist doch eine perfekte Kombination."

Text: P. Huber